Läsionsketten, Reaktionsketten und Eigenverantwortung
„Bis zu 40 % der Herzarbeit übernimmt dein peripheres Herz.
Seine Pflege ist deine tägliche Herzprävention.“
Liebe Kollegin, lieber Kollege
die Wadenmuskelpumpe wird in der Gefässphysiologie als funktionelles „peripheres Herz“ beschrieben (u. a. Recek). Mit jedem Schritt transportiert sie 20–60 ml Blut Richtung Herz und erzeugt bis zu 1–2 Liter venösen Rückstrom pro Minute. Ohne sie wäre der Rückfluss gegen die Schwerkraft (70–90 mmHg im Stand) nicht möglich.
Das periphere Herz reguliert:
- venösen Rückstrom
- interstitiellen Druck
- Herzbelastung
- Schmerzgeschehen
- Leistungsfähigkeit
Läsionsketten – wenn Narben Druck erzeugen
Narben und Adhäsionen in:
- Fuss
- Knie
- Bauch
führen zu:
- erhöhtem Gewebedruck
- eingeschränkter Gleitfähigkeit
- reduziertem venös-lymphatischem Abfluss
Die Wadenpumpe verliert Effizienz. Stau entsteht. Druck steigt. Schmerz wird wahrscheinlicher. Das Lösen von Adhäsionen ist deshalb immer auch systemische Druckregulation.
Reaktionsketten – wenn Sitzen Stau erzeugt
Viele Störungen entstehen nicht durch Verletzungen, sondern durch Alltag.
Längeres Sitzen bedeutet:
- inaktive Wadenmuskelpumpe
- verlangsamter Rückstrom
- zunehmender interstitieller Druck
- Schweregefühl und Ermüdung
Das betrifft unsere Patienten. Und es betrifft uns selbst.
Eigene Prävention als Therapeut
Eine einfache, wirksame Massnahme: Gehaltene Wadendehnung zur venösen Entstauung. Ruhig. Ohne Wippen. Mit Bewusstsein für Druckreduktion.
Ich selbst mache es konsequent jeden Abend beim Zähneputzen.
Diese Routine stabilisiert das periphere Herz – Tag für Tag.
Selbst-Check:
Wie arbeitsfähig ist dein peripheres Herz?
Sitze ich täglich mehrere Stunden ohne Ausgleich?
Fühlen sich meine Waden abends schwer oder gespannt an?
Habe ich Narben im Bauch-, Knie- oder Fussbereich?
Dehne ich meine Waden regelmässig gehalten?
Spüre ich nach der Dehnung eine subjektive Leichtigkeit?
Habe ich 30° Streckung im Sprunggelenk?
Wenn mehrere Punkte zutreffen, lohnt sich bewusste Entstauung –
für deine eigene Regeneration und langfristige Leistungsfähigkeit.

